Artemis Bodrum · 16. Juli 2026 · 4 Min. Lesezeit · Geschichte & Kultur
Wer Lykien bereist, kennt Patara und Xanthos; von Pinara spricht dagegen kaum jemand. Dabei war diese Stadt — versteckt im Kiefernwald am Fuße des Babadağ, südöstlich von Fethiye — eines der größten Mitglieder des Lykischen Bundes, und sie wird höchstwahrscheinlich die einsamste und atmosphärischste Station Ihrer Route sein. Die meisten Besucher stehen hier völlig allein zwischen den Ruinen — an der türkischen Westküste ein zunehmend seltener Luxus.
Ein Name, der „rund“ bedeutet
Der Name der Stadt geht auf das lykische Wort Pilleñni zurück, das „rund“ bedeutet. Das ist kein Zufall: Sobald die Stadt in Sicht kommt, beherrscht der gewaltige zylindrische Felsen dahinter das gesamte Bild. Einer antiken Überlieferung zufolge wurde Pinara als Kolonie gegründet, als die große lykische Stadt Xanthos aus allen Nähten platzte — die Stadt kam also gewissermaßen als zweite Hauptstadt des Tals zur Welt.
Antike Autoren erwähnen Pinara nur selten, doch die Größe der Ruinen spricht für sich: Die Stadt verfügte im Lykischen Bund über drei Stimmen, die Höchstzahl — sie hatte damit dasselbe Gewicht wie Xanthos, Patara, Tlos, Myra und Olympos. 334 v. Chr. ergab sie sich Alexander dem Großen, nach 133 v. Chr. kam sie unter römische Herrschaft, und im 9. Jahrhundert war sie bereits verlassen. Wer die Stadt der modernen Welt wieder bekannt machte, war der große Lykien-Forscher des 19. Jahrhunderts, Sir Charles Fellows; er beschrieb den runden Felsen als von oben bis unten mit Gräbern übersät.
Was Sie erwartet
Der Bienenwabenfelsen
Das Wahrzeichen Pinaras sind die Hunderte kleiner Grabnischen, die in die Wand des runden Felsens hinter der Stadt geschlagen wurden. Aus der Ferne gleicht der Felsen einer Bienenwabe oder einem riesigen Taubenschlag. Wie die Steinmetzen diese Öffnungen erreichten und bearbeiteten, ist bis heute nicht restlos geklärt — vermutet werden meist Seile oder Gerüste. Eine Weile schweigend davorzustehen ist das stärkste Erlebnis, das Pinara zu bieten hat.
Das Königsgrab
Das eindrucksvollste Einzelmonument der Stadt ist ein Felsgrab, dessen Fassade über und über mit Reliefs bedeckt ist: ummauerte Städte, Häuser und Figuren. Damit gehört dieses Grab zu den frühesten erhaltenen „Stadtansichten“ einer lykischen Siedlung — archäologische Information, eingebettet in ein Kunstwerk, eine Kombination, der man nicht oft begegnet.
Theater, Odeon und Agora
- Theater: Mitten im Wald gelegen, die Sitzreihen weitgehend an Ort und Stelle — erstaunlich gut erhalten und gerade deshalb, weil es nie restauriert wurde, umso eindrucksvoller.
- Odeon und Agora: der Verwaltungskern der Stadt, zusammen mit Tempelresten und einer späteren Kirche.
- Obere Akropolis: Spuren der frühesten Besiedlung auf der Kuppe des runden Felsens. Der Aufstieg ist anspruchsvoll und die Markierung dürftig — erzwingen Sie ihn nicht, wenn Sie allein unterwegs sind.
Klarheit in Sachen UNESCO
Pinara ist kein UNESCO-Weltkulturerbe. Gemeinsam mit Tlos, Patara, Myra, Olympos und weiteren lykischen Städten wurde die Stadt 2009 im Rahmen des seriellen Dossiers „Ancient Cities of Lycian Civilization“ (Ref. 5408) in die Tentativliste (Kandidat) des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Tentativliste heißt: offizieller Kandidat. Der serielle Charakter des Dossiers ist dabei entscheidend: Lykien wird der UNESCO nicht als Ansammlung einzelner Städte präsentiert, sondern als Zivilisation — denn einzigartig macht es gerade die föderale Struktur und die gemeinsame Grabarchitektur, die diese Städte verbindet.
Ganz anders Xanthos-Letoon in unmittelbarer Nähe von Pinara: Es steht seit 1988 tatsächlich auf der Welterbeliste (Ref. 484). Wer diesen Unterschied kennt, wirkt glaubwürdig, wenn er seine Route beschreibt.
Praktische Hinweise
- Zeitbedarf: 1,5–2 Stunden; planen Sie 3 Stunden ein, wenn Sie zur oberen Akropolis hinaufsteigen möchten.
- Beste Tageszeit: der Morgen. Die Felswand liest sich im Morgenlicht am besten, und im Sommer bricht selbst der Schatten des Kiefernwaldes die Mittagshitze nicht vollständig.
- Die Straße: Der Zufahrtsweg von der Hauptstraße hinauf ist schmal, steil und stellenweise schlecht. Fahren Sie mit einem tiefergelegten Auto langsam und meiden Sie ihn direkt nach Regen.
- Eintritt: kostenpflichtige Ausgrabungsstätte; die türkische Museumskarte gilt. Preise und Öffnungszeiten wechseln je nach Saison — vorab bestätigen lassen.
- Wichtig: Pinara ist eine halbwilde archäologische Stätte, kein gepflegtes Museum. Die Pfade sind kaum markiert, die Ruinen liegen verstreut, Schatten gibt es reichlich, doch der Boden ist steinig. Kommen Sie mit festen Schuhen, Wasser und in vernünftigem Tempo. Der Handyempfang ist nicht überall zuverlässig.
Anfahrt von Bodrum aus
Pinara liegt auf der Straße rund 250 km von Artemis Bodrum entfernt — knapp 3,5 Stunden pro Richtung. Ehrlich gesagt: Hin und zurück an einem Tag ist möglich, aber kein Vergnügen. Nach sieben Stunden Fahrt kommen Sie erschöpft an und lassen sich nie wirklich auf die Stille dieses Waldes ein.
Der richtige Ansatz ist, Pinara als Teil einer zwei- bis dreitägigen Lykien-Route zu betrachten:
- Tag 1: Bodrum → Fethiye; nachmittags Tlos, Übernachtung in der Umgebung von Fethiye.
- Tag 2: vormittags Pinara (nur etwa eine halbe Stunde von Tlos entfernt), nachmittags Xanthos und Letoon.
- Tag 3: die Ruinen und der Strand von Patara, anschließend die Rückfahrt nach Bodrum.
Weitere Stationen in der Nähe
- Tlos: im selben Tal — der natürliche Zwilling Pinaras, mit dem Bellerophon-Relief und der Akropolis-Burg.
- Saklıkent-Schlucht: das Gegengift für einen heißen Tag.
- Xanthos und Letoon: eingetragenes Welterbe und das Herz der lykischen Inschriften.
- Patara: Parlamentsgebäude, Leuchtturm und 18 km Sand.
Wenn Sie Pinara in diese Kette einfügen, hört Lykien auf, eine Checkliste von Ruinen zu sein, und wird zu einem stimmigen Ganzen: dasselbe Tal, dieselbe Sprache des Steins, derselbe Bund. Unser Empfangsteam im Artemis Bodrum unterstützt Sie gern bei der Planung der Route.





Artemis Bodrum
