Artemis Bodrum · 16. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit · Reiseführer
Die meisten Städte der Antike wuchsen im Lauf der Jahrhunderte von selbst: Sie klammerten sich an einen Hügel, breiteten sich um einen Hafen aus, und ihre Gassen folgten den Spuren alter Ziegenpfade. Priene ist anders. Priene ist eine Stadt, die zuerst auf dem Papier entworfen und dann ins Gelände übertragen wurde. Deshalb sprechen Archäologen so oft vom "Lehrbuch des antiken Städtebaus" — und das ist nicht übertrieben.
Ein Meisterwerk der Planung am Fuß des Mykale
Priene wurde terrassenförmig an den steilen Hang des Berges Mykale (Samsun) gebaut, im heutigen Ortsteil Güllübahçe im Landkreis Söke der Provinz Aydın. Die erste bekannte Besiedlung der Stadt ist weit älter; die Stadt jedoch, die wir heute besichtigen, wurde Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. von Grund auf neu gegründet. Das alte Priene war eine Hafenstadt, doch weil die Schwemmablagerungen des Großen Mäander die Küstenlinie immer weiter hinausschoben, musste die Stadt mehrmals umziehen.
Der Plan der neuen Stadt folgte dem Rasterplan (Grid), der seinen Namen dem Architekten Hippodamos verdankt: sich rechtwinklig kreuzende Straßen, gleich große Häuserblöcke und öffentliche Bauten mit vorab festgelegtem Standort. In Ost-West-Richtung verlaufen sechs Hauptstraßen (rund 6 Meter breit), die von etwa fünfzehn Nord-Süd-Gassen (rund 3 Meter) rechtwinklig gekreuzt werden; sie teilen die Stadt in etwa achtzig Insulae, also Baublöcke. Bemerkenswert ist Folgendes: Diese ganze Ordnung wurde nicht auf eine flache Ebene, sondern auf einen äußerst steilen Hang übertragen. Ein Teil der Nord-Süd-Gassen ist deshalb keine Straße, sondern eine Treppe.
Man schätzt, dass in der Stadt gleichzeitig etwa 4.000–5.000 Menschen lebten. Dass ein Drittel der Häuser eine Innentoilette besaß, zeugt von einem für die Zeit außergewöhnlichen Komfort. Das Quellwasser vom Mykale wurde über Aquädukte in Zisternen und von dort mit Tonrohren in die Häuser verteilt.
Bauwerke, die Sie nicht auslassen sollten
- Tempel der Athena Polias: das Wahrzeichen der Stadt, bekannt für die eleganten ionischen Säulen, die zwischen den Pinien aufragen. Sein Architekt war Pytheos, derselbe, der auch das Mausoleion in Bodrum entwarf — zwischen Priene und Halikarnassos besteht also eine unmittelbare architektonische Verwandtschaft. Die Weihinschrift des Tempels lautet: "König Alexander weihte den Tempel der Athena Polias"; diese Inschrift befindet sich heute im British Museum. Der Bau wurde 323 v. Chr. geweiht.
- Theater: eines der besterhaltenen hellenistischen Theater der antiken Welt. Die ganz vorn aufgestellte Prohedria (Ehrensitze) mit Löwenfüßen steht noch immer an Ort und Stelle; es wirkt, als sei die Stadt erst gestern verlassen worden.
- Bouleuterion (Ratsgebäude): nördlich der Agora, ein kleiner Saal mit dreiseitigen Sitzstufen und Holzdach. Priene war im 4. Jahrhundert v. Chr. eine Demokratie, und hier wurden die Beschlüsse gefasst.
- Agora, Gymnasion und Stadion: An den Wänden des unteren Gymnasions sind die von Schülern eingeritzten Namen bis heute lesbar.
- Heiligtümer: eigene heilige Bezirke für Demeter, Asklepios und die ägyptischen Götter (Isis, Serapis, Anubis); außerdem die Reste einer Synagoge mit einem Menora-Relief.
Der Status bei der UNESCO: Kandidat, noch kein Welterbe
Hier ist eine Unterscheidung zu betonen, denn sie wird häufig verwechselt. Priene steht nicht auf der UNESCO-Welterbeliste. Priene wurde am 5. Februar 2018 von Türkiye unter der Referenznummer 6348 als "Archaeological Site of Priene" in die Tentativliste des UNESCO-Welterbes (Tentative List) aufgenommen. Eine Tentativliste ist die Erklärung eines Landes über "Stätten, die ich künftig offiziell nominieren möchte" — Priene ist also ein offizieller Kandidat, kein eingeschriebenes Welterbe. Das zentrale Argument der Bewerbungsunterlagen ist genau das oben Beschriebene: ein in seiner Gesamtheit erhaltenes, überaus seltenes Beispiel hellenistischer Stadtplanung.
Praktisches zum Besuch
- Dauer: Planen Sie für einen entspannten Rundgang einschließlich des Aufstiegs am Hang 2 bis 2,5 Stunden ein. Wenn Sie bis zum Athenatempel hinaufsteigen und auch das Theater sehen möchten, rechnen Sie den Abstieg mit ein.
- Beste Uhrzeit: morgens zwischen 09:00 und 11:00 Uhr oder am späten Nachmittag. Die Stadt liegt an einem kahlen Südhang; an Sommermittagen gibt es so gut wie keinen Schatten.
- Schuhwerk: Sport- oder Trekkingschuhe sind Pflicht. Die antiken Marmorstufen sind rutschig; mit Sandalen kommt man dort nicht hinauf.
- Öffnungszeiten und Eintritt: Die Ausgrabungsstätte ist im Sommer in der Regel von 08:30 bis 19:00 Uhr, im Winter von 08:30 bis 17:00 Uhr geöffnet. Für türkische Staatsbürger ist die Müzekart gültig. Da die Preise jährlich angepasst werden, empfehlen wir Ihnen, den aktuellen Eintrittspreis auf der offiziellen Seite des Ministeriums für Kultur und Tourismus zu prüfen.
- Nehmen Sie mit: Wasser, Hut, Sonnencreme. Auf dem Gelände selbst gibt es keinen Kiosk.
Wie kommt man von Bodrum nach Priene?
Priene liegt etwa 120 km von Artemis Bodrum entfernt; mit dem Auto dauert die Fahrt im Schnitt 2 Stunden. Die Route folgt der Strecke Bodrum – Milas – Söke; nach Söke genügt es, den Schildern nach Güllübahçe zu folgen. Am Eingang der Ausgrabungsstätte gibt es einen Parkplatz. Wenn Sie öffentlich anreisen möchten, nehmen Sie den Bus von Bodrum nach Söke und von Söke aus einen Dolmuş nach Güllübahçe; erkundigen Sie sich jedoch vorab nach den Rückfahrzeiten.
Ziele, die Sie am selben Tag verbinden können
Priene besucht man selten allein — die klassische "Drei-Antike-Städte-Route" der Region besteht aus Priene, Milet und Didyma. Alle drei liegen an derselben Küstenlinie, die der Mäander zugeschüttet hat. Milet ist von Priene rund 25 km entfernt; der gewaltige Apollontempel von Didyma liegt etwas weiter südlich. Wenn Sie früh aufbrechen, schaffen Sie alle drei an einem Tag und sind abends wieder in Bodrum. Führen Sie Ihre Route am Bafa-See vorbei, sehen Sie außerdem, was aus dem einst offenen Meer des Latmischen Golfs geworden ist.
Für Lage, Entfernung und Anfahrtsdetails zu Priene werfen Sie gern einen Blick auf unsere Destinationsseite zur antiken Stadt Priene. Unsere Rezeption hilft Ihnen sehr gern bei der Planung eines Tagesausflugs in die Region.





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