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Artemis Bodrum · 16. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit · Reiseführer

Afrodisias: Die Stadt des Marmors und der Göttin

Wenn Sie die belebten Küstenrouten der Ägäis hinter sich lassen und rund eine Stunde ins Landesinnere Richtung Karacasu in der Provinz Aydın hinauffahren, öffnet sich im Schatten der Platanen eine ganz andere Welt: Afrodisias. Diese Stadt war Aphrodite geweiht, der Göttin der Liebe und der Schönheit; sie trug deren Namen und brachte die talentiertesten Bildhauer der Antike hervor. Afrodisias, 2017 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen, zählt zu den am besten erhaltenen antiken Städten der Türkei und steht dennoch bis heute im Schatten von Ephesos — was einer der besten Gründe ist, sie zu besuchen.

Die drei Namen einer Stadt

Afrodisias liegt im Landesinneren der Region Karien, oberhalb des heutigen Dorfes Geyre. Bevor die Stadt diesen Namen annahm, trug sie drei weitere: Lelegonpolis (Stadt der Leleger), Megalepolis (Große Stadt) und Ninoe. Um das 3. Jahrhundert v. Chr. übernahm sie den Namen der Göttin, und dieser Name bestimmte zugleich ihr Schicksal. In der römischen Kaiserzeit war Afrodisias nicht nur das Zentrum des Aphrodite-Kults, sondern erlangte dank seiner besonderen Beziehung zum Kaiserhaus auch einen privilegierten Status.

In der Spätantike wurde der heidnisch anmutende Name mit der Ausbreitung des Christentums zum Problem: Die Stadt wurde zu einem Zeitpunkt vor 640 in Stauropolis umbenannt, also "Stadt des Kreuzes". Man nimmt an, dass auch der heute gebräuchliche Name "Geyre" von Karien abgeleitet ist — die Geschichte mag ihren Namen wechseln, im Boden bleibt sie bestehen.

Warum eine Stadt der Bildhauerei?

Was Afrodisias einzigartig machte, war nicht allein sein Tempel, sondern seine Geografie. In den Hügeln unmittelbar neben der Stadt lagen Brüche mit weißem und blaugrauem karischem Marmor. Wenn der Rohstoff direkt unter Ihren Füßen liegt, entwickelt sich die Meisterschaft zwangsläufig. Die Bildhauerschule von Afrodisias exportierte sowohl Werke als auch Bildhauer in alle Winkel der römischen Welt; signierte Arbeiten afrodisischer Künstler finden sich in einem weiten Raum, der bis nach Italien reicht.

Deshalb werden Sie bei einem Rundgang durch Afrodisias Zeuge von etwas Ungewöhnlichem: Sie sehen nicht nur vollendete Werke, sondern auch unfertig gebliebene Statuen, Werkstattreste und Probestücke. Genau deshalb haben Sie das Gefühl, mitten in eine antike Bildhauerwerkstatt geraten zu sein.

Bauwerke, die Sie unbedingt sehen sollten

Tetrapylon — die Signatur der Stadt

Dieses monumentale, nach vier Seiten geöffnete Tor, errichtet um 200 n. Chr., markierte den Übergang von der Hauptstraße zum Heiligtum der Aphrodite. Mit seinen gedrehten Säulen und dem reich verzierten Giebel ist das Tetrapylon geradezu zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Dass es in mühevoller Arbeit aus den am Boden verstreuten Blöcken wieder aufgerichtet wurde, führt vor Augen, was monumentale Restaurierung zu leisten vermag.

Das Stadion — das besterhaltene der antiken Welt

Das eindrucksvollste Bauwerk von Afrodisias ist das Stadion aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Es misst etwa 270 Meter in der Länge und 60 Meter in der Breite; zu beiden Seiten erheben sich 30 Sitzreihen, das Fassungsvermögen wird auf 30.000 Personen geschätzt. Kaum ein anderes Stadion der Antike ist derart vollständig auf uns gekommen. Wenn Sie sich auf eine der Stufen setzen und über die leere Arena blicken, können Sie sich das Raunen von dreißigtausend Menschen kaum verkneifen.

Sebasteion — eine Propagandagalerie aus Stein

Das Sebasteion, geweiht "der Aphrodite, den göttlichen Augusti und dem Volk", ist ein Tempelkomplex, der dem römischen Kaiserkult vorbehalten war. Die Reliefplatten, die sich über die dreigeschossigen Fassaden reihen, verweben mythologische Szenen mit kaiserlicher Propaganda. Der Großteil dieser Reliefs wird heute im Sevgi-Gönül-Saal des Museums von Afrodisias gezeigt, wodurch das Museum zu einem untrennbaren Bestandteil der Ausgrabungsstätte wird.

Der Aphrodite-Tempel — vom Tempel zur Kirche

Der Tempel, das Herz der Stadt, fand ein bemerkenswertes Ende: Weil er zum Brennpunkt des heidnischen Widerstands geworden war, wurde er etwa zwischen 481 und 484 auf Befehl von Kaiser Zenon abgetragen und in eine christliche Basilika umgewandelt. Dieses Bauwerk, in dem die Säulen für einen neuen Glauben neu aufgestellt wurden, ist für sich genommen ein steinernes Dokument einer Zeitenwende.

Bouleuterion und Hadriansthermen

Das ins späte 2. bis frühe 3. Jahrhundert datierte Bouleuterion (Ratsgebäude) bot rund 1.750 Personen Platz und diente als überdachtes Theater, Konzertsaal und Versammlungsraum. Die Hadriansthermen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. wiederum sind ein prächtiger Komplex, der den Wohlstand der Stadt bezeugt.

Die Geschichte der Ausgrabungen

Die ersten systematischen Grabungen in Afrodisias führte 1904–1905 Paul Augustin Gaudin durch. Dass die Stadt jedoch wirklich ans Licht kam, ist dem türkischen Archäologen Kenan Erim zu verdanken, der 1962 im Auftrag der New York University mit den Ausgrabungen begann. Erim widmete dieser Stadt sein Leben und wurde seinem letzten Willen entsprechend neben dem Tetrapylon bestattet. Ab den 1990er-Jahren wurden die Grabungen unter der Leitung von R.R.R. Smith fortgeführt, und sie dauern bis heute an.

Der Untergang der Stadt kam durch Erdbeben: Die schweren Beben des 4. und des 7. Jahrhunderts fügten ihr tiefe Wunden zu; nach dem Erdbeben des 7. Jahrhunderts hat sich Afrodisias nie wieder erholt.

Praktisches zum Besuch

  • Zeit, die Sie einplanen sollten: Die Ausgrabungsstätte ist weitläufig und folgt einem einzigen Rundweg. Zusammen mit dem Museum sind 2,5 bis 3 Stunden für ein entspanntes Tempo ideal. Überstürzen Sie nichts; das Stadion liegt am äußersten Ende der Stadt.
  • Die beste Tageszeit: In den Sommermonaten ist die Mittagssonne drückend und Schatten rar. Kommen Sie früh am Morgen oder am späten Nachmittag — dann ist es kühler, und Marmor gibt bei tief stehender Sonne weitaus schönere Fotos her.
  • Eintritt: Es handelt sich um eine kostenpflichtige Ausgrabungsstätte; die Müzekart wird akzeptiert. Wir empfehlen Ihnen, die aktuellen Preise und Öffnungszeiten vor dem Besuch auf der offiziellen Seite des Ministeriums für Kultur und Tourismus zu prüfen.
  • Nehmen Sie mit: Hut, Wasser und bequeme Schuhe. Der Boden ist steinig und uneben.
  • Parkplatz: Zwischen dem Parkplatz und der Ausgrabungsstätte verkehrt auf kurzer Strecke ein Shuttlefahrzeug.

Wie kommt man von Bodrum nach Afrodisias?

Afrodisias liegt etwa 170 km von Artemis Bodrum entfernt, die Fahrt mit dem Auto dauert durchschnittlich 2 Stunden und 40 Minuten. Die Route führt in der Regel über Milas und Yatağan Richtung Muğla und von dort zur Abzweigung nach Karacasu. Die Strecke ist größtenteils angenehm und landschaftlich reizvoll; auf dem letzten Abschnitt erwartet Sie eine Steigung, die sich zwischen Olivenhainen und Kiefernwäldern hinaufwindet.

Unser Tipp: Wer Afrodisias als Tagesausflug unternehmen möchte, muss unbedingt früh aufbrechen. Nach dem Frühstück von unserem Hotel loszufahren und am Nachmittag zurückzukehren ist durchaus machbar. Ausführlichere Informationen finden Sie auf unserer Destinationsseite zu Afrodisias.

Weitere Ziele in der Nähe

Afrodisias lässt sich gut mit einer weiteren UNESCO-Station verbinden: Pamukkale und Hierapolis liegen in derselben Richtung, und die "doppelte UNESCO"-Route, die beide Punkte an einem langen Tag oder mit einer Übernachtung zusammenführt, gehört zu den ergiebigsten Ausflugsplänen der Region. Auch die eigenwillige Töpferkunst und die regionale Küche von Karacasu sind ein guter Vorwand für einen kurzen Halt auf dem Rückweg.

Dass Afrodisias abseits der Menschenmassen geblieben ist, war kein Verlust — im Gegenteil. Hier können Sie einer antiken Stadt in ihrer eigenen Stille lauschen, ohne dass Reisegruppen an Ihrer Schulter vorbeidrängen. Wenn Sie diese Route während Ihres Aufenthalts im Artemis Bodrum planen möchten, hilft Ihnen unsere Rezeption bei Anfahrt und Zeitplanung gerne weiter.

#Afrodisias#UNESCO#Antik Kent#Aydın#Karya#Gezi Rehberi
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